Rumi – Die Musik, die wir sind

Hast du gehört, der Winter ist vorbei!
Nelken und Basilikum platzen vor Lachen.
Kaum von der Reise zurück, ist die Nachtigall
schon Gesangslehrer für die Vögel.
Die Bäume überreichen Gratulationen.
Die Seele tanzt durch die Tür zum König hinauf.
Anemonen erröten, weil sie einen Blick
von der nackten Rose erhaschten.
Der einzige faire Richter, der Frühling,
breitet sich im Gerichtssaal aus.
Und ein paar Dezember-Diebe
huschen davon.
Die Wunder vom Vorjahr
sind bald Vergessenheit.
Aus Nicht-Existenz wirbeln neue Geschöpfe hervor,
Galaxien und ihre Füße verstreut. Hast du die getroffen?
Hörst du, wie in der Wiege die Jesus-Knospe summt?
Eine kleine Narzisse – Inspektor von Königreichen!
Ei Fest ist im Gang. Horch:
Es ist der Wind, der den Wein ausschenkt!
Früher versteckte die Liebe sich
hinter Bildern. Damit ist Schluss!
Der Ostgarten steckt seine Lampions auf.
In Lumpen stolpern die Toten herbei.
Nichts bleibt in Fesseln oder gefangen.
Du sagst: „Stopp dieses Gedicht hier
und wart, was als Nächstes kommt.“ Sofort.
Gedichte sind nur Gekritzel bei der Musik, die wir sind!

Schwarzes Loch

Schon seit mehreren Monaten fühle ich mich wie in einem schwarzen Loch. Ich weiß nicht mehr weiter. Irgendwie fühle ich mich so, als ob ich am Ende angelangt bin. Ich will nicht mehr weiter, ich bin einfach nur fertig. Ich habe nichts mehr vor. Das ist das innere Wissen, dass mich nichts mehr erwartet.

Mein größter Wunsch wäre aus diesem Traum aufzuwachen, in dem ich mich befinde. Jeden gottverdammten Morgen wache ich auf, werde mir bewusst wo ich mich gerade befinde und denke: „fuck, ich bin immer noch da!“ Wie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Nur manchmal ist es nicht zum Lachen.

Vor kurzem habe ich mir den Film „The Zero Theorem“ mit dem Christoph Waltz angeschaut. Es ging darum, dass ein Computergenie für eine Computerfirma den Sinn des Lebens knacken sollte. Unzufrieden mit seinem Leben hat er auf den Anruf gewartet, der ihm den Sinn des Lebens mitteilen sollte. Sein Gesundheitszustand hat sich verschlechtert und er träumte vom schwarzen Loch. Zum Schluss ist er in dieses Loch gefallen und ist dann allein auf einsamer Insel gelandet.

Sofort habe ich mit dem Hauptdarsteller  identifiziert. Ich war praktisch er. Ich warte auch auf die Stimme die mir sagt wie es weiter gehen soll. Ich höre auch ständig die Antwort, klar und deutlich: „Geduld, Geduld, Geduld…“

Sex im Traum

Gestern bin ich auf der Couch eingeschlafen und habe vom Sex geträumt. Ich hatte sehr intensive Empfindung. Ich kann mich nicht daran erinnern, die Intensität in Wirklichkeit erlebt zu haben. Später ist mir klar geworden, dass es für die Erinnerung gar kein Unterschied macht, ob es real war oder im Traum. Sie ist in beiden Fällen absolut identisch. Ist auch praktisch, wenn man mit weniger Aufwand das gleiche Ergebnis erzielt.

Es geht jetzt nicht explizit um Sex. Bei mir schein sich die Realität mit dem Traum zu vermischen. Oft muss ich sogar überlegen, ob die Erinnerung aus der Realität oder aus dem Traum stamm. Reales erscheint wie ein Traum oder Geträumtes real, je nach Betrachtungswinkel.

In beiden Fällen sind alle Person außerum nur Traumpersonen, nicht seiner Selbst bewusst. Sie kommen mir wie Attrappen vor, damit das Geschehen echter wirkt. Man kann sich mit ihnen über alles Mögliche unterhalten, nur nicht über das Bewusstsein und luziden Traum. Sie verstehen das nicht und ignorieren es einfach. Wie ein Computer, der die Eingabe nicht versteht, weil er nicht darauf programmiert wurde.

Rumi – Diese alles tragende Kraft

Die Liebe hat mir meine geistigen Übungen weggespült
und mich mit Musik uns Gedichten erfüllt!
 
Im Stillen versuche ich über die Worte zu meditieren:
„Keine Kraft außer deiner Kraft“. Es ging nicht.
 
Ich musste klatschen und singen!
Einst war ich würdig und korrekt und gefestigt,
aber wer kann in diesem machtvollen Wind stehen
und an so etwas auch nur denken?
 
Ich war ein Stück Holz, das in deinen Feuer fiel
und sofort in Rauch aufging.
 
Ich sah dich und war auch schon leer.
Dieses herrliche Leersein!
Es löscht alles Leben vollkommen aus,
und doch, wie blüht dadurch alles Leben auf,
und erschafft und erschafft und erschafft!
 
Der Himmel ist blau.
Die Welt ist ein blinder Mann, der am Boden hockt.
 
Aber wer immer dein Leersein erfährt,
sieht hinter das Blau und hinter den blinden Mann.
 
Eine große Seele wie Mohammed oder Jesus
verbirgt sich und wandert unbemerkt
durch das Getümmel in einer großen Stadt
 
Wirklicher Jubel
bejubelt die Hingabe an das Leersein!
 
Über die Sonne jubeln heißt,
deine eigenen Augen bejubeln.
Juble über das Seelenmeer!
 
Diese Worte sind nur wie ein Schiffchen drauf.
Die Seereise geht also weiter – und wer weiß wohin?
 
Allein, dass wir von diesem Meer getragen werden,
ist das größte Glück, das wir haben können.
 
Das ist totales Erwachen!
 
Warum sollte es uns bedrücken,
dass wir geschlafen haben?
Es spielt keine Rolle, wie lange wir abwesend waren!
 
Uns ist ganz schwindelig!
Aber lass doch die Schuldgefühle und Ängste los!
Fühl diese Wellen von Zärtlichkeit – überall.
Diese alles tragende Kraft!

Luzider Traum

Schon oft sind mir Träme komisch vorgekommen. Etwas hat nicht gestimmt, eigentlich genau so wie in der Wirklich. Nur bin ich nie darauf gekommen, dass es ein Traum war. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, bis heute. Ich bin mir dem Traum endlich bewusst geworden!

Ich war mit einem Kollegen irgendwo unterwegs. Wahrscheinlich war das eine Straße, an die Umgebung kann ich mich nicht mehr erinnern. Plötzlich kam vom Himmel ein riesiger Goldfisch angeschwommen. Er schwamm durch die Luft und es sah sehr faszinierend aus! Mein Kollege hat mich verwundert gefragt: „Was ist das?“ Darauf habe ich gemeint: „Es ist ein Traum, wir sind in einem Traum!“ Er sagte dann: „Nein, das kann nicht sein! Es ist kein Traum, es ist die Wirklichkeit. Nur stimmt hier etwas nicht.“ Dann habe ich den Fisch mit beiden Händen zu mir gezogen. Ich konnte kein Gewicht spüren und der Fisch hat sich nicht gewährt. Ich sagte dann: „Siehst du das denn nicht???“ Aber mein Kollege konnte es einfach nicht glauben. Als ich den Fisch losgelassen habe, ist er wieder nach oben weg geschwommen.

Auch wenn man merkt, das etwas nicht stimmt und sehr merkwürdig ist, kommt man trotzdem nicht darauf, dass man träumt. Warum eigentlich nicht? Warum ist es so schwer? Was lässt uns daran glauben, dass es real ist?