Denken

Die Menschen fürchten das Denken mehr als alles andere auf der Welt – mehr als ihren Ruin, sogar mehr als ihren Tod. Denken ist subversiv und revolutionär, destruktiv und schrecklich; Denken erweist dem Privileg, den bestehenden Institutionen und bequemen Gewohnheiten keine Gnade; Denken ist anarchisch und gesetzlos, es kümmert sich nicht um Autoritäten, es achtet nicht auf die erprobte Weisheit aus uralten Zeiten. Das Denken blickt hinein in den Höllenpfuhl und hat keine Angst. Es sieht den Menschen, ein undeutliches Pünktchen, umgeben von einem unergründlich tiefen Schweigen; und ist dennoch von stolzem Gebaren, so ungerührt, als wäre es der Herr des Universums. Das Denken ist groß, flink und frei, das Licht der Welt und die größte Herrlichkeit des Menschen.

Soll das Denken aber zum Besitz vieler werden und nicht nur ein Privileg weniger sein, dann müssen wir die Angst in den Griff bekommen. Es ist die Angst, die den Menschen hemmt – die Angst, seine hochgeschätzten Glaubensinhalte könnten sich als Täuschungen erweisen, die Angst, die Institutionen, durch die er lebt, könnten sich als gefährlich erweisen, die Angst, er selbst könne sich als weniger respektwürdig erweisen, als er zu sein meinte.

Bertrand Russell

„Hast du vielleicht was zum Lesen da? Mir ist so langweilig!“ hat sie mich gefragt.
„Nein, aber dann hast ja viel Zeit zum Nachdenken!“ erwiderte ich.
„Hör bloß auf mit dem Denken, ich brauche eine Ablenkung!“
Ich verspürte sofort ihre Angst vor Denken…

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