Zeitloses Geschehen

Zufällig habe ich Tagesschau vor 20 Jahren gesehen. Das wird glaube ich täglich spätabends übertragen. Was mir aufgefallen ist: das Geschehen von vor 20 Jahren unterscheidet sich nicht vom heutigen. Anschläge, Flüchtlinge, Ost-West Politik, Sport und Wetter. Wie ich es schon mal erwähnt habe, es passiert nicht wirklich was. Alles dreht sich nur im Kreis. Das ist Ablenkung für den Verstand. In 20 Jahren wird man auch das Gleiche berichten. Und die meisten werden denken, dass das Leben wirklich besser wird.

Übertriebene Wirklichkeit

Diese Wirklichkeit diskreditiert sich selbst. Und zwar indem sie zu wirklich wirkt! Ich merke wie sie zupackt: bei den Schmerzen oder bei der Höhenangst. Letztens war ich in Schwarzwald auf einer Aussichtsplattform in 40 Meter Höhe. Der Boden hat im Wind gewackelt. Ich konnte ganz genau spüren wie die Wirklichkeit wirkt. Das war einfach zu echt, viel zu echt. Das kann man gar nicht beschreiben, das sieht man einfach. Und Gefühle verstärken noch das Ganze. So viele Gefühle und ich finde nur ein Paar Wörter dafür…

Erwachsen werden

Als Kind konnte ich es kaum erwarten endlich erwachsen werden, weil mir gleichaltrige zu dumm vorkamen und ich diese Dummheit kaum ertragen konnte. Mit dem Alter hat sich diese Erwartung überraschenderweise nicht geändert. Ich habe immer noch  darauf gewartet, dass andere endlich erwachsen werden. Irgendwann musste ich es aufgeben, weil ich sah, dass auch alte Menschen Kinder geblieben sind. Die Menschen benehmen sich als wären sie unsterblich, obwohl sie genau wissen, dass das Gegenteil der Fall ist. Und sie sterben auch als kleine Kinder, ohne jemals erwachsen geworden zu sein.

Das Ego und der Verstand lassen uns nicht erwachsen werden. Sie beschäftigen uns ständig mit sinnlosen Sachen. Sie sind wie ein Schutzpanzer für das innere Ich. Ohne sie wäre das Überleben in dieser Welt wahrscheinlich gar nicht möglich.

Ich finde es langweilig im Sandkasten rumzuwühlen. Müde schaue ich den spielenden Kindern zu. Ich möchte die große Welt außerhalb erkunden!

Schöne Welt

Um diese Welt zu verstehen, muss man raus gehen. Es reicht nicht vor dem TV zu sitzen oder Bücher zu lesen. Besonders beim schlechten Wetter, obwohl es gar kein schlechtes Wetter gibt. Man spürt den Wind und die Regentropfen im Gesicht. Der Verstand kann damit nichts anfangen. Man sieht die Welt wie sie wirklich ist. Es regnet nicht, weil es der Natur schlecht geht. Es regnet, weil es regnet. Es tut einfach gut die Natur auf sich wirken zu lassen. Man beobachtet das ganze Geschehen.

Egal was geschieht, gut oder schlecht, geschieht. Wenn man dieses Geschehen ohne Wertung auf sich wirken lässt, erkennt man wie schön diese Welt ist. Man wird von dieser Schönheit überwältigt. Wenn man Gefühlte ungefiltert zulässt, dann platzt man innerlich, weil man sie alle nicht aufnehmen kann. Diese Welt muss man nicht retten, sie ist perfekt wie sie ist. Sie ist gar nicht zum Retten, sondern zum Erfahren da.

Dazu fällt mir die Szene mit der Tüte aus dem Film American Beauty ein:

Das Ego macht mit seinem Rettungswahn das ganze Mysterium nur kaputt. Es ist ein Teil dieser Welt und kann sie nicht von der Metaebene aus betrachten. Das Ego tut auch nur das was es soll, die Rolle spielen. Es ist eine perfekte Maske für den Schauspieler. Perfekte Maske für die perfekte Welt…

Durch den Konsum

Kleine Anmerkung zu einer Diskussion zum Thema Konsum:

Ob man konsumiert oder verzichtet, beides geschieht im Verstand. Der Verstand sagt dann: „Ich verzichte, also habe ich gewonnen!“ Da gibt es einfach kein Entkommen.

Der Konsum und der Verzicht gehören einfach zu dieser polarisierten Welt dazu wie gut und böse. Wenn man das erkannt hat, dann bleibt man irgendwo dazwischen.

(Ge)Schichten

Der Himmel macht mich frei davon, der Rest ist Schweigen.

William Shakespeare – Hamlet



Die Menschen sind süchtig nach Geschichten. Geschichte hier, Geschichte dort. Die ganze Welt ist voll davon. Sie besteht praktisch nur aus diesen Geschichten. Ge-Schichten, Schichten aus Geschichten. Wenn man durch alle Schichten schaut, erkennt man die Lebensgeschichte.

Das Rezept ist recht einfach: man nehme Nichts, füge ein paar Geschichten hinzu und schon  hat man ein Leben kreiert. Dieser Künstler denkt dann wirklich, er wäre seine Geschichten.

Ich höre mir schon mein ganzes Leben lang irgendwelche Geschichten an. Sie werden einem immer aufgezwungen. Ich habe früher nie verstanden, warum alle Menschen so an ihnen hängen. Jetzt weiß ich es, ohne ihre Geschichten sind die Menschen Nichts. Und davon haben sie panische Angst. Das Nichts löst eine Todesangst im Ego aus. Genau das, wozu es bestimmt ist!

Man versucht immer ein Gespräch aufrecht zu erhalten. Der Verstand mag es nicht, wenn man schweigt. Dann beginnt man irgendwas sinnloses zu sagen. Egal was. Typisch ist das Wetter. Noch dümmeres Thema kann man sich wirklich nicht einfallen lassen. Als ob man das Wetter ändern könnte. Oder Witze, ein sinnloser Zeitvertreib. Das Leben ist ja so ernst, man muss doch oft lachen, damit es zumindest ein bisschen erträglicher wird.

Ich schweige und beobachte gerne wie die Menschen eine Beschäftigung suchen. Ein Ameisenhaufen. Sie können es sich nicht erlauben nichts zu tun oder nichts zu sagen. Sie denken ihre Egomeinungen wären wichtig.

Ich komme mir wie ein Fremdkörper in dieser Welt vor. Schweigend, grinsend und sich wundernd. Ohne Vergangenheit und Zukunft. Im Hier und Jetzt. Das Gegenteil vom Rest. Hier findet sich die Dualität wieder.