Rumi – Die Musik, die wir sind

Hast du gehört, der Winter ist vorbei!
Nelken und Basilikum platzen vor Lachen.
Kaum von der Reise zurück, ist die Nachtigall
schon Gesangslehrer für die Vögel.
Die Bäume überreichen Gratulationen.
Die Seele tanzt durch die Tür zum König hinauf.
Anemonen erröten, weil sie einen Blick
von der nackten Rose erhaschten.
Der einzige faire Richter, der Frühling,
breitet sich im Gerichtssaal aus.
Und ein paar Dezember-Diebe
huschen davon.
Die Wunder vom Vorjahr
sind bald Vergessenheit.
Aus Nicht-Existenz wirbeln neue Geschöpfe hervor,
Galaxien und ihre Füße verstreut. Hast du die getroffen?
Hörst du, wie in der Wiege die Jesus-Knospe summt?
Eine kleine Narzisse – Inspektor von Königreichen!
Ei Fest ist im Gang. Horch:
Es ist der Wind, der den Wein ausschenkt!
Früher versteckte die Liebe sich
hinter Bildern. Damit ist Schluss!
Der Ostgarten steckt seine Lampions auf.
In Lumpen stolpern die Toten herbei.
Nichts bleibt in Fesseln oder gefangen.
Du sagst: „Stopp dieses Gedicht hier
und wart, was als Nächstes kommt.“ Sofort.
Gedichte sind nur Gekritzel bei der Musik, die wir sind!

Rumi – Diese alles tragende Kraft

Die Liebe hat mir meine geistigen Übungen weggespült
und mich mit Musik uns Gedichten erfüllt!
 
Im Stillen versuche ich über die Worte zu meditieren:
„Keine Kraft außer deiner Kraft“. Es ging nicht.
 
Ich musste klatschen und singen!
Einst war ich würdig und korrekt und gefestigt,
aber wer kann in diesem machtvollen Wind stehen
und an so etwas auch nur denken?
 
Ich war ein Stück Holz, das in deinen Feuer fiel
und sofort in Rauch aufging.
 
Ich sah dich und war auch schon leer.
Dieses herrliche Leersein!
Es löscht alles Leben vollkommen aus,
und doch, wie blüht dadurch alles Leben auf,
und erschafft und erschafft und erschafft!
 
Der Himmel ist blau.
Die Welt ist ein blinder Mann, der am Boden hockt.
 
Aber wer immer dein Leersein erfährt,
sieht hinter das Blau und hinter den blinden Mann.
 
Eine große Seele wie Mohammed oder Jesus
verbirgt sich und wandert unbemerkt
durch das Getümmel in einer großen Stadt
 
Wirklicher Jubel
bejubelt die Hingabe an das Leersein!
 
Über die Sonne jubeln heißt,
deine eigenen Augen bejubeln.
Juble über das Seelenmeer!
 
Diese Worte sind nur wie ein Schiffchen drauf.
Die Seereise geht also weiter – und wer weiß wohin?
 
Allein, dass wir von diesem Meer getragen werden,
ist das größte Glück, das wir haben können.
 
Das ist totales Erwachen!
 
Warum sollte es uns bedrücken,
dass wir geschlafen haben?
Es spielt keine Rolle, wie lange wir abwesend waren!
 
Uns ist ganz schwindelig!
Aber lass doch die Schuldgefühle und Ängste los!
Fühl diese Wellen von Zärtlichkeit – überall.
Diese alles tragende Kraft!

Nichts liegt vor uns

Verliebte glauben, sie suchen einander,
aber es gibt nur eine Suche:
Diese Welt durchwandern
und jene Welt durchwandern ist gleich.
Beides geschieht im Inneren
eines durchsichtigen Himmels.
Hier innen
gibt es keine Vorschriften und keine Abtrünnigkeit.

Das Wunder von Jesus ist er selbst.
Nichts was er über die Zukunft sagte oder dafür tat.
Vergiss die Zukunft.
Jemanden, der das kann, bete ich an.

Unterwegs magst du zurückblicken wollen oder nicht,
aber wenn du sagen kannst: Nichts liegt vor uns,
wird dort auch nichts sein.

Streck deine Arme aus
und fass den Stoff deiner Kleidung mit beiden Händen.
Das Heilmittel für den Schmerz steckt im Schmerz.
Gutes und Böses sind vermischt.
Wenn du nicht beides in dir hast,
bist du keiner von uns.

Wenn einer von uns verloren geht, muss er in uns sein.
Einen Ort wie diesen gibt es nirgendwo auf der Welt.

-Rumi

Leere

Das ganze Geschehen da draußen.
Alles ist unwichtig,
hat nichts mit mir zu tun.
Ich lass es geschehen,
alles ist gut.

So viele Bilder und Gedanken im Kopf,
das Blatt bleibt aber leer.
Ich bin kein Schriftsteller,
nur ein stiller Zuschauer.
Es bleibt alles bei mir,
ist nicht für die anderen.

Der Puppenspieler

Wenn Zehen Augen hätten,
dann könnte ich sehen,
woher meine Füße wissen, wohin sie gehen sollen,
aber Zehen sind blind.
Und wie kommt es, dass meine Zunge
Worte spricht, die sie nicht hören kann?
Denn trotz aller Beredsamkeit
ist die Zunge taub
und bewegt sich in Geräuschlosigkeit.

 Jane Roberts

Ich liebe, wie still diese Antwort ist

Was muss ich mit dir lachen!
Dieser wilde Humor!

Da jammere ich,
dass ich ausgetrocknet und durstig bin,
dabei besteht alles aus Wasser!
Da fühle ich mich einsam und verlassen,
dabei lehnt mein Kopf an deiner Brust!

Meine verletzten Hände sind deine Hände!

Tu doch etwas Verrücktes!

Da sagst du:
„Komm! Komm in die allerinnerste Kammer,
wo deine Liebe sicher ist.“

Darauf ich:
„Aber ich wollte doch dein Türöffner sein,
damit du mich nicht immer
ein- und auslassen musst!“

Darauf du:
„Nein. Du stehst auf der Schwelle und wartest.
Und gleichzeitig bist du im Allerinnersten hier.
Du bist an beiden Orten zuhause.“

Ich liebe, wie still diese Antwort ist.
Komm an diesen Tisch aus Stille.

Rumi

Ein ganz normaler Typ

Wenn Friede deinen Geist erfüllt,
ist auch die Welt erfüllt von Frieden.
Nichts ist wirklich,
und an nichts mangelt es.

Wenn du die Wirklichkeit loslassen kannst,
und nicht hängen bleibst in der Leere,
bist du kein Heiliger und bist kein Weiser,
nur ein ganz normaler Typ, der mit seiner Arbeit fertig ist.

Laie P’ang

Selbstfindung

reinkarnation

 

Um meinen tausend und tausend Gesichtern zu begegnen,
Am staubigsten Gras
haftet Sonnenlicht von meiner Haut.
In diesem Strom stehe ich und lache – ich.

Rumi

 

Hat es da einer als Glück empfunden, geboren zu sein?
Ihm oder ihr muss ich allerdings sagen,
dass es ebenso ein Glück ist, zu sterben,
ich weiß das.

Mit den Sterbenden gehe ich in den Tod,
mit dem frisch gebadeten Säugling komm ich zur Welt,
bin nicht eingepfercht zwischen Hut und Stiefeln.
Keine zwei Dinge sind für mich das Gleiche, alle aber gut.
Die Erde: gut. Die Sterne: gut.
Und was ihnen auch zugehört: alles gut.

Ich bin keine Erde, gehöre ihr auch nicht zu.
Ich bin der Gefährte und Kamerad der Menschen,
und alle sind sie so unsterblich und unergründlich wie ich.
(Wie unsterblich, das wissen sie nicht, ich aber weiß es.)

Walt Whitman

 

Deine Hände nahmen mein Leben,
und du schlugst es rein an den Klippen
des ewigen Geistes.

Wie viele Farben es ausblutete, bis alles sich in weiß verwandelte.
Du lächelst und lehnst dich zurück;
lässt mich trocknen unter deiner Sonne.

Rumi

Ich glaube es fiele mir nicht schwer, unter Tieren zu leben.
Sie sind so still und genügsam.
Lange kann ich dabei verweilen, ihnen zuzusehen.

Sie rackern sich nicht ab, sie jammern nicht,
wie schlecht sie dran sind.
Sie wälzen sich nachts nicht im Bett, um ihre Sünden zu beklagen.
Sie öden mich nicht an, indem sie mir ihre Pflichten
gegenüber Gott darlegen.
Keines von ihnen ist unzufrieden, keines infiziert vom Wahn, etwas besitzen zu müssen,
keines beugt vor seinen Artgenossen das Knie,
auch nicht vor irgendeinem der seit Jahrtausenden tot ist.
Keines hat einen Ruf zu verlieren, keines von ihnen ist unglücklich über diese Welt.

Walt Whitman