Ein ganz normaler Typ

Wenn Friede deinen Geist erfüllt,
ist auch die Welt erfüllt von Frieden.
Nichts ist wirklich,
und an nichts mangelt es.

Wenn du die Wirklichkeit loslassen kannst,
und nicht hängen bleibst in der Leere,
bist du kein Heiliger und bist kein Weiser,
nur ein ganz normaler Typ, der mit seiner Arbeit fertig ist.

Laie P’ang

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Selbstfindung

reinkarnation

 

Um meinen tausend und tausend Gesichtern zu begegnen,
Am staubigsten Gras
haftet Sonnenlicht von meiner Haut.
In diesem Strom stehe ich und lache – ich.

Rumi

 

Hat es da einer als Glück empfunden, geboren zu sein?
Ihm oder ihr muss ich allerdings sagen,
dass es ebenso ein Glück ist, zu sterben,
ich weiß das.

Mit den Sterbenden gehe ich in den Tod,
mit dem frisch gebadeten Säugling komm ich zur Welt,
bin nicht eingepfercht zwischen Hut und Stiefeln.
Keine zwei Dinge sind für mich das Gleiche, alle aber gut.
Die Erde: gut. Die Sterne: gut.
Und was ihnen auch zugehört: alles gut.

Ich bin keine Erde, gehöre ihr auch nicht zu.
Ich bin der Gefährte und Kamerad der Menschen,
und alle sind sie so unsterblich und unergründlich wie ich.
(Wie unsterblich, das wissen sie nicht, ich aber weiß es.)

Walt Whitman

 

Deine Hände nahmen mein Leben,
und du schlugst es rein an den Klippen
des ewigen Geistes.

Wie viele Farben es ausblutete, bis alles sich in weiß verwandelte.
Du lächelst und lehnst dich zurück;
lässt mich trocknen unter deiner Sonne.

Rumi

Ich glaube es fiele mir nicht schwer, unter Tieren zu leben.
Sie sind so still und genügsam.
Lange kann ich dabei verweilen, ihnen zuzusehen.

Sie rackern sich nicht ab, sie jammern nicht,
wie schlecht sie dran sind.
Sie wälzen sich nachts nicht im Bett, um ihre Sünden zu beklagen.
Sie öden mich nicht an, indem sie mir ihre Pflichten
gegenüber Gott darlegen.
Keines von ihnen ist unzufrieden, keines infiziert vom Wahn, etwas besitzen zu müssen,
keines beugt vor seinen Artgenossen das Knie,
auch nicht vor irgendeinem der seit Jahrtausenden tot ist.
Keines hat einen Ruf zu verlieren, keines von ihnen ist unglücklich über diese Welt.

Walt Whitman

Ozean-Ente

Du bist eine wilde Ozean-Ente,
die unter Hühnern aufgewachsen ist!

Deine wirkliche Mutter lebte auf dem Ozean,
aber deine Amme war ein zahmer Landvogel.

Deine tiefsten Seeleninstinkte gelten dem Ozean.
Was immer du darüber weißt,
wie man sich an Land bewegt,
hast du von deiner Amme, der Henne, gelernt.

Jetzt ist es Zeit, dich wieder Enten anzuschließen!

Deine Amme wird dich sicher vor Salzwasser warnen,
aber hör nicht hin!
Der Ozean ist dein Zuhause,
nicht ein stinkender Hühnerstall!

Du bist ein König, ein Kind Gottes,
das auf Wasser gehen kann und auf Erde.
Du stolperst umher, und du gleitest
in riesigen Kreisen durch den Himmel.

Wir sind Wasservögel, Sohn, glaube mir!
Der Ozean kennt unsere Sprache
Und hört und gibt Antwort.
Wie der weise Salomon ist dieses Meer.

Rumi

Was ist Zeit?

Mir ist echt die Zeit abhanden gekommen.
Was war, was ist, was wird noch sein?
War ich, bin ich, oder werd ich sein?
Alles ist so verschwommen.
Ich verspüre nur das ewige Jetzt.
Ich war jetzt, bin jetzt und werde ewig jetzt sein.
Auch wenn mans nicht mehr sehen wird.
Wo find ich wieder diese Zeit, in dieser Welt?


Salvador-Dali-The-Persistence-of-Memory-1931

Bild: Salvador Dalí