Die Geilheit des Lebens

Immer wieder spüre ich die Geilheit des Lebens. Natürlich ist es nicht ständig so. Es ist so, wie es sein muss. Nicht mehr und nicht weniger. Ich erfahre auch Schmerzen, Ängste, Wut, Gelassenheit und alles was zum Leben dazu gehört. Es gibt aber auch solche Momente, in denen mir die Geilheit meines Lebens hochkommt. Es sind nur kurzer Momente, aber diese geben mir einen Sinn meines Lebens. Es sind die Momente, in denen der Schauspieler sich nicht mit seiner Roller identifiziert und diese genießt. Der Schauspieler wird seiner Selbst bewusst.

Als Kind habe ich viel gelitten.  Ich habe und hatte eigentlich kein schlechtes Leben, aber trotzdem habe ich mir gewünscht nicht zu existieren. Das hat nichts mit dem Selbstmord zu tun. Der Tod bedeutet ja, dass man existierst hat. Ich wollte erst gar nicht existieren. Die physische Existenz hat mir ein großes Leiden angetan. Schon seit seit dem ich mich erinnern kann. Es war schwierig mit dem Gefühl zu leben, dass mit mir und der Außenwelt etwas nicht stimmt.

Existenz und Nicht-Existenz kommt mir ausgewogen vor. Ich bin, also bin ich nicht…

Heimweh

Gestern Abend war ich im Planetarium bei einer Space Jazz Night Veranstaltung. Es wurden Sternbilder mit Kombination mit (nach meinem Empfinden) trauriger Tango-Livemusik gezeigt. Gleich an der Kasse ein Ego: „Ist der Preis wirklich so billig?“ und „Ist das Rückgeld genauso falsch wie der Preis?“

Ich habe einen Platzt direkt neben der Bühne bekommen. Auf dieser waren zwei Musiker, mit Akkordeon und Kontrabass. Sie haben  schöne Musik gezaubert. In zweiter Hälfte habe ich plötzlich starkes Heimweh bekommen. Ich habe mich nach den Sternen gesehnt. Diese Sehnsucht hat sich sehr gut angefühlt. Diese unendliche Traurigkeit war ein purer Genuss. Ich bin hier unten in dieser Welt gefangen und da oben ist eine unendliche Weite. Da komme ich her und dort will ich wieder hin!

Im Auto, auf dem Weg nach Hause, kam mir ein anderes Ich zwischen den Leben vor. Ich konnte wahrnehmen wie schön es ist, ein Leben zu leben. Ich kann es nicht in Worte fassen. Es war ein Schauspieler, der von seinen Rollen fasziniert war.

Am Ende der Veranstaltung wurde die Bühne beleuchtet. Dort ist mir der Koffer vom Akkordeon aufgefallen. Dort stand „Victoria“.

Abkopplung

Es scheint mir so, als ich mich von dieser Welt immer mehr abkoppel würde. Alles ist bedeutungslos geworden. Ich bin hier nicht mehr richtig präsent. Die Führung habe ich komplett an das Selbst übergeben, von oben hat es mehr Überblick und ich tappe hier unten nur im Dunkeln. Dabei fühle ich mich wie ein Baby, getragen und beschützt.

Alles ist wie es ist. Alles ist wie es sein soll. Es ist gut so. Ich finde es wunderbar.

Begegnung mit dem Selbst

Meine letzte Ohnmacht und der Hilferuf wurde voll erhört. Mein Selbst ist dieses Mal voll durchgekommen. Man muss es nur zulassen. Das Problem ist das Ego, welches die Führung nicht abgeben will. Es ist ja auch eine (vom Verstand erschaffene?) Illusion, dass es irgendwas zu entscheiden hätte.

Ich habe gespürt wie groß das Selbst ist, ich war voll ausgefüllt von ihm und es war trotzdem unendlich größer! Bis jetzt konnte ich nichts besseres fühlen, es war wirklich eine Ektase! Ich war allein und es war genug allein zu sein. Es war für keinen anderen mehr Platz da. Ich war überall. Ich habe nichts und niemanden gebraucht, denn ich war alles und alle!

Ist das Selbst der erhöhte Gott aus der Bibel? Ich glaube ja. Am besten ist es, wenn man diese Welt als Tandem erlebt. Dann kann auch nichts falsches passieren. Ich habe keine Wahl. Ich bin die Auswahl, die ich jetzt auskosten soll.

Jetzt hat es zwar nachgelassen, aber ich fühle mich immer noch gut und hoffe, dass es weiter so bleibt. Die Zweifel sind weg und darum gings mir.

Das andere Bewusstsein

Ich merke, dass ich zweigeteilt bin. Es ist so als ob zwei Personen in einem sind. Psychologen würden das wahrscheinlich als Schizophrenie bezeichnen.

Mir kommt der Film „Fight Club“ in den Sinn. Dort wird es ganz deutlich dargestellt. Bei Castaneda findet man auch Hinweise dafür. Der Don Juan hat ihn in das andere Bewusstsein versetzt, indem er ihm einen Schlag in den Rücken verpasst hat. Ich muss mir selbst diesen Schlag verpassen, was ziemlich schwierig ist. Oft geschieht dieser Wechsel unkontrolliert. Dann dank ich mir „ups, wo bin ich denn jetzt?“. Die Welt scheint völlig anders zu sein.

Mein Alltagsbewusstsein kann damit nichts anfangen. Es versucht mir einzureden dass ich ein Idiot bin und dass ich mich dafür schämen sollte.

Das ist wie Engel und Teufel auf der Schulter…

Der eigene Film

Die Erinnerungen bestehen aus Fetzen. Diese Fetzen beinhalten Szenen voller Emotionen, Begeisterung, Leid, Gefühle und Dramen. Nach dem Tod ist er dann fertig, der eigene Film! Ein Zusammenschnitt aus Szenen. Das nennt man dann persönliches Leben. Es wird sagt, dass man diesen Film kurz vor dem Tod im Schnelldurchlauf angezeigt bekommt.

Nichtexistenz

Kann man nicht existieren? Diese frage habe ich mir schon oft gestellt. Ich habe mir auch oft gewünscht einfach nicht zu existieren. Es war mir alles zu viel. Ich wollte das alles nicht mehr mitmachen, in dieser verlogenen Welt. Es schien mir so, als ob es für mich kein Platz gab.

Aber kann man das wirklich, nicht existieren? Die Welt ohne sich selbst, der Verstand kann mit dieser Frage absolut nichts anfangen. Natürlich kann man nicht nicht existieren. Man kann nur existieren, sonst könnte man nicht nach der eigenen Existenz fragen. die Antwort verbirgt sich außerhalb des Verstandes.

Ich existiere, also bin ich! Damit sollte jeder anfangen.