Träumer

„Sie sind die Architekten des Großartigen; ihre Vision liegt in ihren Seelen; sie schielen durch die Schleier und Nebel des Zweifels und durchstoßen die Wände der ungeborenen Zeit. Das angetriebene Rad, das Gleis aus Stahl, die sich drehende Schraube, sind wie Schiffchen im Webstuhl, auf dem sie ihre magischen Teppiche weben. Erschaffer von Reichen, sie haben um größere Dinge als Kronen und höhere Sitze als Throne gekämpft. Eure Häuser sind auf dem Land gebaut, das ein Träumer gebaut hat. Die Bilder auf den Wänden sind Visionen aus der Seele eines Träumers. Sie sind die wenigen Auserwählten – die Wegbereiter. Wände bröckeln und Reiche fallen; die Welle der Gezeiten rauscht aus dem Meer und reißt die Festung von ihren Felsen. Die zerfallenden Nationen beugen sich dem Lauf der Zeit, und nur das, was von Träumern erschaffen wird, lebt weiter.“

-Herbert Kaufman

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In allen zehn Richtungen des Universums
gibt es nur eine Wahrheit.

Ein klares Auge sieht: Alle großen Lehren verkünden das eine.
Was kann je verloren gehen? Was je erlangt werden?

Was wir erlangen, war schon da, zu Anbeginn aller Zeiten.
Was wir verlieren, verbirgt sich ganz in der Nähe.

Diese kleine Kugel in meiner Tasche zum Beispiel:
Siehst du nicht, wie kostbar sie ist?

Ryokan

Das Selbst

Zuerst sieht man das Selbst als die Dinge,
Dann sieht man das Selbst als Leere,
Dann wiederum sieht man das Selbst als das Selbst;
Nur im letzten Fall gibt es kein Sehen,
Denn Sehen ist Werden.

Ramana Maharshi

Immer weiter!

„Der Hafen würde ihm gerne Beistand gewähren. Der Hafen ist mitleidsvoll, im Hafen gibt es Sicherheit, Labsal, einen Herd, ein Nachtmal, warme Decken, Freunde, alles, was dem Sterblichen zum Wohl gereicht. Doch in diesem Sturm ist der Hafen, das Land, des Schiffes schrecklichstes Wagnis. Es muss vor aller Gastfreundschaft fliehen. Eine einzige Berührung mit dem Festland, auch wenn nur sein Kiel darüber streifte, würde es über alle Maßen erschauern lassen. Mit all seiner Macht drängt es vom Ufer weg und kämpft so gegen die Winde an, die es so gern nach Hause treiben würden, strebt wieder nach der Landlosigkeit der aufgepeitschten See, stürzt sich der Zuflucht wegen einsam in die Gefahr. Sein einziger Freund ist sein erbitterster Feind!“

Herman Melville, Moby-Dick

Maskenwelt

„Nichts was wir in unserer Umwelt wahrnehmen, zeigt ihr wahres Gesicht. Alles versteckt sich hinter Masken, die ein unerforschtes Wesen geformt hat. Der weiße Wal fordert mich heraus, er lässt mich nicht mehr los. Wenn ich auch nur die Maske sehe, ist es das, was hinter der Maske versteckt ist, was ich so hasse. Das Böse ist es, das die Menschheit seit Uhrzeiten plagt und verängstigt und ihr Denken beherrscht. Das uns verletzt und verstümmelt, statt uns einen schnellen Tod zu schenken und uns Menschen zwingt weiter zu leben mit einem halben Herzen, einer halben Lunge…“

Hermann Melville, Moby-Dick

 

Maske

Töte den Buddha!

Versuch nicht, in die Fußstapfen des Weisen zu treten.
Such einfach nur, wonach er suchte.

Basho

 

Lange genug waren deine Träume Verachtenswert.
Lass mich nun deine verklebten reinwaschen.
Höchste Zeit, dass du dich an das Licht und sein Blenden gewöhnst
und an jede Sekunde deines Lebens.

Lange Zeit stapftest du mit einer Planke dem Ufer entlang.
Nun will ich dich lehren, ein furchtloser Schwimmer zu sein,
auf hoher See in die Wogen zu springen, um erneut aufzutauchen
und mir zuzuwinken, meinen Namen zu rufen,
mit Gelächter und sprühendem Haar.

Ich bin es, der euch lehrt, gute Sportler zu sein.
Wessen Brust durch mich breit und kräftig wird,
der beweist, wie kräftig und breit auch die meine ist.
Meine Schule ehrt den am meisten,
der hier lernt, seinen Lehrer zu vernichten.

Walt Whitman

 

Es war einmal ein Mann, der vom Apfel der Erkenntnis gehört hatte. Diesen begehrte er. Er fragte einen Lehrer: „Wie kann ich diesen Apfel finden, sodass ich unmittelbare Erkenntnis erlangen kann?“

„Du wärst am besten beraten, bei mir zu lernen“, sagte der Lehrer. „Aber wenn du das nicht möchtest, wirst du entschlossen und zeitweise ruhelos die ganze Welt bereisen müssen.“

Er verließ ihn und suchte einen anderen Lehrer auf, und dann traf er einen dritten, dann den vierten und noch viele mehr… Er verbrachte dreißig Jahre mit seiner Suche. Schließlich gelangte er zu einem Garten. Da stand er, der Götterbaum, und von seinen Zweigen hing die leuchtende Frucht des Himmels.

Neben dem Baum stand der erste Lehrer.

„Warum habt Ihr es mir nicht gleich gesagt, dass Ihr der Hüter des Apfels seid?“

„Weil du es mir damals nicht geglaubt hättest. Und außerdem bringt dieser Baum nur einmal in dreißig Jahren Frucht hervor.“

Eine alte Sufigeschichte